Individuum

Ich bin es leid. „Ich esse nur wenig Fleisch“ immer und immer wieder dieser Satz. Wird ernsthaft vermutet, dass mich diese Worte besänftigen würden? Erstmal vorweg, ja, auch ich habe einmal Fleisch gegessen, worauf ich auch nicht stolz bin. Aber es kam der Tag an dem ich mich informierte, an dem ich wissen wollte was dahinter steckt. Daraus habe ich meine Konsequenzen gezogen. Es geht um Prinzipien: hinter jedem Bissen Fleisch steckt ein Leben, dafür ist viel Blut geflossen. Nur schon an diesem Punkt sollte klar sein, dass dieses Stück Fleisch viel Leid gefordert hat. Wir Menschen fürchten uns vor dem Tod, die meisten zumindest. Dennoch sind wir tagtäglich davon umgeben, ob wir das wollen oder nicht, wir werden diese Tatsache nicht verändern können, da der Tod ein Bestandteil des Lebens ist. Aber ein jeder von uns ist in der Lage diesen Leichenhaufen zu verringern und dies sogar mit ziemlich einfachen Mitteln. Durch Ignoranz wird sich sicher nichts ändern, ganz im Gegenteil. Wir fürchten uns also vor dem Tod, nicht nur vor dem eigenen sondern auch davor, dass nahestehende Menschen plötzlich nicht mehr hier sind. Wer ein sogenanntes „Haustier“ an seiner Seite und in sein Herz geschlossen hat, möchte es auch so lange als möglich bei sich haben. In den Medien wird tagtäglich über  Mord und Totschlag berichtet und viele dieser Schicksale gehen nicht spurlos an uns vorüber. In der Regel wünschen wir nicht mal unseren ärgsten Feinden den Tod. Warum also lassen wir es zu, dass tagtäglich so viele unschuldige Wesen ihr Leben für uns geben müssen? Ist dieser kurze „Genuss“ so wichtig, dass es uns Menschen egal ist was hinter diesen dicken Mauern vor sich geht? Oder wollen wir einfach gar nichts darüber wissen, weil wir der Ansicht sind, dass sich ohnehin nichts verändern wird?

Wenn wir nichts an unserem Verhalten den Tieren gegenüber verändern, werden wir uns selber töten. Die Ausmasse sind verheerend, schon jetzt hat diese Ausbeutung schon so unsäglich viel zerstört was nicht wieder gutzumachen ist. Die Zeit läuft gegen uns und wir stehen an einem Wendepunkt, vielleicht ist es schon jetzt zu spät. Wir haben also genau zwei Möglichkeiten: entweder lernen wir aus diesen Fehlern und ändern konsequent unser Konsumverhalten oder aber wir schauen weiterhin weg und werden am eigenem Leib erfahren was wir angerichtet haben. Wenn wir nichts dagegen unternehmen dürfen wir in ein paar Jahren nicht klagen wenn der Zeitpunkt da ist wo es keine Wahl mehr geben wird.

FAKTEN:

Wasserverbrauch (*1):

Für 1 kg Kartoffeln 106 Liter

Für 1 kg Rindfleisch bis zu 20.000 Liter

Hungersnot (*2):

Jährlich werden weltweit 50 Prozent der Getreideernte und 90 Prozent der Sojaernte an „Nutztiere“ verfüttert.

Treibhauseffekt (*2):

Die weltweite „Viehwirtschaft“ trägt mit 18,3 Prozent CO2-äquivalenten Treibhausgasen mehr zum sogenannten Klimawandel bei, als der globale Individualverkehr, der rund 14 Prozent ausmacht.

„Unbestritten ist also: Nichts trägt in so massiver Form zur Nahrungsmittelvernichtung bei wie der Fleischverzehr!“ (*2)

Diese Fakten sind unanfechtbar und zeigen deutlich, dass sich unser Lebenverachtendes  Treiben auch auf vielen weiteren Ebenen sehr zerstörerisch auswirkt. Wir können diese Erde nicht ausbeuten ohne uns Gedanken darüber zu machen welche Auswirkungen unser tägliches Verhalten mit sich zieht. Wir nehmen so vieles, doch was geben wir schlussendlich als Dank zurück? Haben wir da nicht etwas Grundlegendes vergessen? Die Erde ist erschöpft und trägt grosse Narben in welchen wir immer und immer wieder von neuem herumwühlen. Jedes Wesen und sei es noch so klein,  kam mit dem Recht auf Leben auf diese Welt. Wir haben die Möglichkeit Tiere zu unseren Gunsten zu benutzen doch deswegen noch lange nicht das Recht es auch zu tun und noch weniger es andere für uns tun zu lassen, weil wir es selber nicht übers Herz bringen würden. Wir müssen aufwachen, uns Informationen beschaffen, die nötigen Schlüsse daraus ziehen, andere aufklären und stets vorwärts blicken.  Wenn die Masse endlich begreift und zusammen am selben Strick zieht haben wir nichts zu verlieren. Wir müssen keine Sklaven dieses Systems sein, wir sind es selber, die sich in diese Rolle drängen weil wir denken, dass sich ohnehin nie irgendetwas ändern geschweige denn verbessern wird.

STUMME SCHREIE:

Stellen wir uns einmal vor an einem völlig fremden Ort zu erwachen.

Gedämpftes Licht strahlt durch die geschlossenen Augenlider,  es riecht nach Kot und Urin, die Glieder schmerzen, der Untergrund auf dem wir liegen ist kalt und hart und unsere Ohren dröhnen. Wir öffnen die Augen und erblicken die pure Verzweiflung. Es sind hunderte weitere von uns hier, es ist so eng, dass wir uns kaum bewegen können. Die Sicht ist durch die vielen massiven Gitterstäbe erschwert, schnell wird klar: wir sind hier gefangen. Manche zittern vor Angst, weitere schlagen ihre Köpfe mit voller Kraft gegen die Stäbe, andere liegen erschöpft oder gar bewusstlos am Boden, viele weinen und schreien vor lauter Aussichtslosigkeit in voller Kraft aus ihren trockenen Kehlen. Einige sind bereits tot. Plötzlich erklingt ein sehr lautes Geräusch welches die meisten von uns in noch grössere Angst versetzt. Immer wieder die selbe Prozedur, es erscheint wie ein nie enden wollender Albtraum. In Schutzanzügen drängen sie sich herein, wir haben nie verstanden was sie die ganze Zeit über sagen, aber ihre Worte klingen kalt und wütend. Sie holen die toten unter uns emotionslos heraus und nehmen sie mit, wohin wissen wir nicht. Dann füllen sie alles mit Nahrung auf und drängen sich damit mit viel Gewalt an uns vorbei. Schläge sind keine Seltenheit, nicht wenige von uns haben grössere bluttriefende Wunden die nicht behandelt werden. Endlich erwachen, es kann nur ein böser Traum sein. Oder ist das wirklich alles real..? Der Schmerz fühlt sich echt an und das Ganze dauert schon viel zu lange an um Enden zu wollen, das Zeitgefühl ging gänzlich verloren. Aber wieso..? Was haben wir getan um all dies erdulden zu müssen? Es muss einen Ausweg geben.

Plötzlich kam der Tag an dem alles anders verlief als gewohnt.

Wieder dieses Geräusch, sie drängen herein, doch es sind beinahe ein Dutzend. Sie öffnen eines der Gefängnisse und drängen alle Insassen hektisch hinaus. Sie haben Schlagstöcke in ihren Händen und treiben auch die schwächsten unter uns mit voller Kraft hinaus. Nimmt es nun ein Ende? Das Gefühl lässt nichts Gutes vermuten, die Angst wird von Sekunde zu Sekunde stärker. Wir drängen uns so gut es geht nach hinten, weg von den Ausgängen. Wie oft haben wir uns gewünscht hier raus zu kommen, doch jetzt wo der Moment da ist fürchten wir uns davor. Alles scheint immer schneller voranzuschreiten, die meisten von uns sind bereits weg. Sie kommen näher, Schritt für Schritt. Das Herz schlägt hoch, es fühlt sich an als würde dieser Druck vom Herzen den Ganzen Körper zum umfallen bringen. Das Geräusch des sich öffnenden Gitters lässt uns alle erstarren. Sie schreien und treten immer näher. Es scheint keinen Ausweg aus dieser Lage zu geben, wir müssen uns fügen, wir sind schon seit Tagen geschwächt und sie erscheinen so stark. Der Weg hinaus aus diesem Kerker ist schwer, sind wir überhaupt schon einmal so viele Schritte gegangen..? Es fühlt sich so fremd an und das Leid wird immer grösser.

Doch dann war da dieses Licht. Es war heller als alles andere was wir bisher gesehen hatten. Es zog uns in seinen Bann durch seine strahlende Schönheit und rückte die Panik für einen Moment in den Hintergrund. Wird nun doch alles besser..?

Die Idylle trügte.

Sie drängen uns gegen unseren Willen in LKWs hinein die lediglich kleine Luftritzen an den Seitenwänden haben. Jetzt ist es noch enger als zuvor. Bei vielen macht sich eine Art Resignation breit, hervorgerufen durch den grossen Schock dieser Wende. Das Schloss schlägt gewaltig zu und der Motor springt an. Ständig werden wir gegeneinander gepresst, die schwächsten von uns fallen und können sich nicht mehr aus eigener Kraft aufrichten. Durch die unruhige Fahrt und die grosse Enge begraben wir sie unter unseren schweren Körpern. Zittern…Schreie…Panik…Wut. Doch noch schlimmer als zuvor.

Ruckartig endet die Fahrt, sie erschien ewig. Die Türe geht auf und eine Rampe wird ausgefahren welche nur einen Weg zulässt: ein schmaler Weg von Gittern umzäunt hinein in eine Halle. Zwei von ihnen stellen sich an die Seiten, dieses mal haben sie andere Schutzanzüge, ihre Augen sind so unglaublich kalt in ihrem Ausdruck. Die ersten von uns gehen mit letzter Kraft hinunter, einige rühren sich plötzlich nicht mehr, sie wurden auf der Fahrt zu Tode getreten. Jetzt sind auch wir an der Reihe, langsam führen unsere Schritte die Rampe hinunter und ein todbringender Geruch der immer stärker wird steigt in die Nase. Wir weichen zurück, doch vergebens. Es ist so eng, einer nach dem anderen ist in diesem Weg eingepfercht, sodass es unmöglich ist wieder zurückzukommen. Wo sind die anderen hin..? Was haben sie mit ihnen getan..? Schreie, Todesschreie erklingen, der markante Geruch wird immer unerträglicher, die Panik grösser und plötzlich stellt sich ein Gefühl ein welches alle bisherigen noch so dunklen Emotionen übertrifft.

ICH kann es nicht in Worte fassen.

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Quellenangaben:

*1: http://www.wasserstiftung.de/wasserfakten.html

*2: http://www.tierschutzpartei.de/TierhaltungLandwirtschaft.htm

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